Drei Beispiele für funktionale Kulturerbeentwicklung

Ein Landmanagementsystem australischer Ureinwohner zur Eindämmung von Buschfeuern hat sich in einem Modellentwicklungsprojekt als so erfolgreich erwiesen, dass es die australische Regierung als „Savanna Burning“ Methode offiziell anerkannt hat und es nach einer ausführlichen Machbarkeitsstudie auch in Afrika, Asien und Lateinamerika eingesetzt werden soll. Savanna Burning kombiniert indigenes Wissen mit westlicher Wissenschaft. Es dient einerseits der Abschwächung der Auswirkungen des Klimawandels durch die Reduzierung der in die Atmosphäre abgegebenen Treibhausgase, andererseits der Erzielung nachhaltiger wirtschaftlicher Gewinne für die indigenen Gemeinschaften der Aborigines: Durch die Verringerung der Emission von Treibhausgasen, ausgedrückt als Kohlendioxid-Äquivalent, werden Emissionsgutschriften generiert.

Die im Mittelalter in Europa weit verbreitete Bautechnik des Fachwerks wurde in ihrer regionalen Ausprägung „Dhajji Dewari“ nach dem verheerenden Erdbeben in Pakistan im Jahr 2005 von staatlicher Seite für den Wiederaufbau empfohlen, da Häuser in dieser Bauweise handwerklich einfach, kostengünstig und mit lokalen Materialien hergestellt werden können, vor allem jedoch aufgrund ihrer deutlich höheren Erdbebenresistenz gegenüber modernen Bauweisen. Mehr als 100.000 traditionelle Dhajji Dewari Häuser wurden in Folge des Erdbebens neu gebaut.

Die Ergebnisse eines Rehabilitationsprojekts eines viereinhalbtausend Jahre alten, dezentralen Wasserversorgungssystems in der Trockenzone Sri Lankas bildeten die Grundlage für ein aktuell mit 52 Millionen USD gefördertes Projekt, in dem dieses antike Wasserversorgungssystem großflächig restauriert und wiederaufgebaut wird. Mehr als 770.000 Menschen profitieren direkt von der funktionalen Wiedereinsetzung ihres kulturellen Erbes. Gefördert wird das Projekt durch den Green Climate Fund.

Was haben diese Beispiele gemeinsam? Sie alle befassen sich mit der funktionalen Entwicklung kulturellen Erbes, das aufgrund seiner ursprünglichen Funktion oder Eigenschaften wiedereingesetzt wurde, um drängenden sozialen und ökologischen Herausforderungen zu begegnen.

Es gibt zahlreiche weitere Beispiele für funktionale Kulturerbeentwicklungsprojekte, die Kontexte sind dabei vielfältig und umfassen neben Wasserversorgung, Landwirtschaft, Landmanagement, Architektur und Bauwesen auch die Materialforschung und das Handwerk. Kulturelles Erbe kann dabei auf mehreren Wegen zu einer nachhaltigen Entwicklung und der Umsetzung der nachhaltigen Entwicklungsziele beitragen: Durch die Rehabilitation vorhandener Strukturen, durch eine Re-Installation in neuen Kontexten und durch die Entwicklung hybrider Lösungen, die sich kulturelles Erbe zu nutze machen und mit modernem Wissen und Technologien kombinieren.

Am Zentrum für Kulturerbe in Nachhaltiger Entwicklung (ZKNE) werden Potential, Erschließungs- und Einbindungsmöglichkeiten von kulturellem Erbe in Kontexte der Nachhaltigkeitsziele erforscht, die praktische Anwendung von Forschungsergebnissen gefördert und Instrumente für den Wissenstransfer zwischen Forschung, Praxis und Öffentlichkeit entwickelt und angeboten.